Sozialisierung und Lernverhalten des Welpen

30.06.2021

Während der Welpenzeit wird der Grundstein für ein ganzes Hundeleben gelegt. Bei optimalen Bedingungen wird der Welpe zu einem sozialverträglichen Partner für den Menschen und für seine Umwelt. Unser Augenmerk richtet sich nun auf die Phase der Sozialisierung (Sozialisierungsphase), die für das spätere Lernverhalten entscheidend ist! 


In diesem Firmenpost, gehe ich auf folgende Themen ein:

  • Sozialisierung & Lernverhalten
  • Entwicklung der Persönlichkeit
  • Umweltreize
  • Beziehung zu Sozialpartnern
  • Wechsel zur neuen Familie


Die Sozialisierungsphase dauert von der 4. bis zur 12. bzw. 16. Lebenswoche, ist jedoch nicht starr abgegrenzt von der vorherigen und der nachfolgenden Entwicklungsphase (Blogartikel: Entwicklungsphasen des Hundes). Die bekannte >> Kynologin Dorit Feddersen-Petersen << sieht diese Zeitspanne als für Lernvorgänge außerordentlich wichtig an: Der Welpe ist jetzt besonders empfänglich für alle neuen Eindrücke, er lernt, sich in seiner Umgebung zurechtzufinden. Deshalb bezeichnet sie diesen Entwicklungsabschnitt als sensible Phase. Hier findet die             >> Sozialisation des Hundes statt und es wird der Grundstein für sein künftiges Lernverhalten gelegt.

Der Welpe lernt,

  • mit seinen Artgenossen zu kommunizieren,
  • mit seiner Familie zu interagieren,
  • mit anderen Tierarten entspannt umzugehen,
  • auf Umweltreize wie unbekannte Geräusche und Bewegungen gelassen zu reagieren.

Hunde, die in dieser Phase falsch behandelt werden, schlechte Erfahrungen machen oder zu wenige Anreize bekommen, können Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen aufweisen, die später nur noch schwer zu korrigieren sind.


Entwicklung der Persönlichkeit

In der sensiblen Phase wird ein Großteil der Hundepersönlichkeit geprägt. Die charakterlichen Anlagen werden mit den Genen weitergegeben, die Eindrücke und Erlebnisse der ersten Lebenswochen können aber entscheidend zu ihrer Ausprägung beitragen: Wird aus dem Welpen ein ängstlicher, ein ruhiger und zurückhaltender Hund oder ein mutiger Draufgänger?


Umweltreize

Dem Welpen sollten jetzt möglichst vielfältige Eindrücke und Erfahrungen geboten werden: Menschen, Geräusche, optische Eindrücke - Umweltreize, die er jetzt kennenlernt und die für ihn selbstverständlich werden, verunsichern ihn später nicht! Durch die Konfrontation mit Neuem und die Gewöhnung daran, werden immer mehr Neutronen im Hundehirn miteinander vernetzt und stabile Verbindungen gebildet, wodurch das Gehirn und der Organismus leistungsfähiger werden. Somit kann der Hund besser lernen, kommt mit Umweltreizen eher zurecht und ist flexibler in seinem Verhalten. Natürlich darf man es auch mit neuen Reizen und Eindrücken nicht übertreiben!


Beziehung zu Sozialpartnern

Im Spiel mit seinen Geschwistern lernt er, seine soziale Position zu finden, indem er sich und andere testet, durch Rangeleien Kräfte misst und seine Motorik trainiert. Was lassen die anderen zu, was nicht, mit welchem Verhalten kann man sich durchsetzen, wann hält man sich besser zurück? Die gemachten Erfahrungen - negativ wie positiv - wirken sich auf das weitere Leben des Hundes aus. Der Hund lernt, wer seine Sozialpartner sind.

Hat der Welpe häufig positiven Kontakt zu unterschiedlichen Menschen, wird er sich normalerweise zu einem menschenfreundlichen Hund entwickeln. Im ständigen Austausch lernt er auch, zu kommunizieren: Einzelne Verhaltensweisen wie das Zurücklegen der Ohren und verschiedene Rutenhaltungen sind zwar angeboren, jedoch nicht die Fähigkeit, Körpersprache und Ausdrucksverhalten des Sozialpartners zu lesen und angemessen damit umzugehen. Erst im Umgang mit Menschen und Hunden lernt er zum Beispiel, wann er sich beim Spielen zu grob verhält und was angemessen ist.


Wechsel zur neuen Familie

Im Alter von ca. 8 Wochen verlassen die Welpen in der Regel ihre Mutter und ihre Geschwister und ziehen zu ihrer neuen Familie. Einige Verhaltensbiologen empfehlen allerdings die Abgabe erst in der 12. Woche, also gegen Ende der sensiblen Entwicklungsphase. In der 8. Woche ist die Freund-Feind-Orientierung noch sehr ausgeprägt und der Welpe ist jetzt vorsichtiger und damit ängstlicher. Kennzeichnend für diese Phase ist, dass die Welpen das Haus meist nur ungern verlassen wollen. Und genau in dieser Zeit findet häufig der Umzug ins neue Heim statt.

Im neuen Zuhause ist der Welpe in den meisten Fällen zunächst ohne andere junge Hunde bei seinen neuen Haltern. Mit dieser Trennung wird der Lernprozess unter Gleichaltrigen unterbrochen. Zur Weiterentwicklung und Festigung des >> Sozialverhaltens << ist daher der Besuch einer guten Welpenschule zu empfehlen.


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Ihre Hundetrainerin & Tierpsychologin Vanessa Pückler