Lernen und Lerndisposition beim Hund

29.06.2021

Bevor Sie sich mit der speziellen "Lerndisposition des Hundes" beschäftigen, sollten Sie vorher noch folgendes wissen, was sehr wichtig ist:

  • Lernen ist die Verarbeitung von Umweltreizen.
  • Lernen ist die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen.
  • Lernen ist im Prinzip das ganze Leben lang möglich.
  • Erlerntes kann wieder vergessen werden.

Man unterscheidet "soziales" Lernen und "formales" Lernen: Viele Hundehalter setzen das Erlernen von "Sitz", "Platz", "Bleib" usw. gleich mit Hundeerziehung. Dieses formale Lernen wird mit den Methoden der >> Konditionierung << erreicht, Es beginnt meist unter ablenkungsarmen Bedingungen. Der Hund beherrscht das "Sitz" perfekt. Kommt aber ein Hase vorbeigehoppelt, ist es meist vorbei mit dem "Sitz". Hier liegt die Schwierigkeit darin, dass der Hund zwar formal verstanden hat, sitzen zu bleiben, aber nicht, dass das Signal immer und in jeder Situation gilt. Oft hört man die Aussage von Hundebesitzern: "Auf dem Hundeplatz klappt das alles einwandfrei, doch beim täglichen Spaziergang scheint der Hund alles wieder vergessen zu haben",

Das formale Lernen ist eben nur ein Teilbereich der Erziehung. Hier beginnt das "soziale Lernen": Der Hund muss verstehen, dass die Anweisungen von Herrchen und Frauchen in jeder Lebenslage gelten. Er muss sich sicher und wohlfühlen in seiner Familie.


Das Lernvermögen eines Welpen hängt neben Menge und Qualität der Umweltreize auch von seiner individuellen >> Lerndisposition << ab. Verhaltensforscher unterscheiden:

  • Angeborene Lerndisposition gehört zum genetischen Programm und legt fest, was ein Hund besonders leicht lernen kann, weil er eben ein Hund ist.
  • Erworbene Lerndisposition wird durch die Umstände bestimmt, unter denen der Hund aufgewachsen ist. Hier sind Züchter und Halter gefragt. Haben sich Züchter wie auch Halter während der Entwicklungsphasen des Welpen sehr intensiv mit dem Hund beschäftigt, so ist mit einem guten Lernverhalten zu rechnen.
  • Aktuelle Lerndisposition hängt von der momentanen Verfassung des Tieres in der Lernsituation ab. Dabei müssen viele Faktoren berücksichtigt werden wir Gesundheitszustand, Hormonstatus usw.

Rassedisposition

Beim Hund spielt neben der Lerndisposition die sogenannte "Rassedisposition" eine besondere Rolle: Über Generationen hinweg wurden erwünschte Eigenschaften durch gezielte Auswahl herangezüchtet. So wurden Hütehunde auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Menschen und auf das Befolgen von Signalen hin züchterisch "selektiert". Daher weisen sie auf diesem Gebiet ein großes Lernvermögen auf. Andere Rassen wurden auf ihre Laufgeschwindigkeit hin züchterisch selektiert und sind insofern "Profis", was ihr Tempo anbelangt.


Schauen Sie sich gerne noch meine anderen Beiträge an. Fragen können gerne in den Kommentaren abgegeben werden.

Ihre Hundetrainerin & Tierpsychologin Vanessa Pückler