Die ersten Schritte in der Erziehung beim Welpen

02.07.2021

Die zu den meisten gehörten Fragen einiger Hundebesitzer, ist die Frage, wann der beste Zeitpunkt ist, um mit der Erziehung des jungen Hundes zu beginnen. Die Antwort kann nur lauten: Je früher, desto besser. Ist der süße Bernhardiner erst einmal 10 Monate alt und 50 Kg schwer, wird es schwierig, ihm die Grundlagen der Erziehung beizubringen. Es ist zwar möglich, aber durch das frühe Beginnen beim Welpen, kann man sich später viel Arbeit ersparen.


In diesem Beitrag gehe ich auf folgende Themen ein:

  • Stubenreinheit beim Welpen
  • Das Alleine bleiben
  • Die Beißhemmung
  • Treppensteigen lernen


Stubenreinheit

Die erste große Herausforderung, vor der die neuen Besitzern stehen, ist sicher die Stubenreinheit. 

Im Alter von ca. 8 Wochen hat ein Welpe noch keine Kontrolle über Blase und Darm. Ein bewusstes Kontrollieren der Blasen- bzw. Darmtätigkeit beginnt im Alter von ca. 10-12 Wochen. Abgeschlossen ist diese Entwicklung, die im Zusammenhang mit der allgemeinen körperlichen und geistigen Reifung steht, mit ca. 4-6 Monaten. Man kann davon ausgehen, dass Hunde ihren Lebensbereich meistens sauber halten, sobald die erforderliche körperliche und geistige Reife erreicht ist, um auf den Spaziergang zu warten.

>> Man kann davon ausgehen, dass ein Welpe nach dem Fressen, Trinken, Schlafen und während dem Spielens nach draußen muss. <<

Ein deutliches Signal für ein "Müssen" ist Herumschnüffeln und die Suche nach einem stillen Plätzchen. Auch ein Winseln kann eine Anzeige für das Bedürfnis sein.

Der Welpe sollte nun schnellstmöglich nach draußen gebracht werden. Ein Hochnehmen kann das "Missgeschick" kurzfristig verhindern. Ist es schon passiert, sollte der Welpe kommentarlos hochgenommen und ins Freie gebracht werden. Negative Reaktionen sind hier Fehl am Platz. Schimpfen oder gar körperliche Gewalt zerstören das Vertrauen und verunsichern den Welpen. Der Hund verbindet nicht sein Verhalten mit der Strafe, sondern die Strafe mit dem Menschen. 

>> Straft der Mensch den Welpen für ein Bächlein auf dem Teppich, findet eine "Fehlverknüpfung" statt, die sich negativ auf die Mensch-Hund-Beziehung auswirken kann. <<

Darum sollte die Hinterlassenschaft ohne Kommentar entfernt werden. 

Ein häufigstes Thema bei Hundebesitzer ist auch, dass der Welpe kurz nach dem Spaziergang erst zu Hause sein Geschäft verrichtet. Das kann folgende Ursachen haben:

  1. Viele Welpen fühlen sich draußen in der großen weiten Welt noch unsicher und konzentrieren sich viel mehr darauf "Frauchen oder Herrchen nicht zu verlieren", (Besonders in den ersten Tagen nach der Ankunft des Welpen, kann man gut beobachten, wie die meisten Welpen dann erstmals nur auf die Besitzer "fixiert" sind).
  2. Der Welpe ist mit so vielen Eindrücken und Außenreizen beschäftigt, dass er sein Bedürfnis schlichtweg vergisst. 

Kaum zuhause angekommen, fühlen sie sich sicher, ein Gefühl der Ruhe und Entspannung tritt wieder ein. Nun können sie sich "lösen". 

Ein Tipp von mir: Lassen Sie sich nicht davon beirren und gehen Sie trotzdem weiterhin regelmäßig mit dem Hund nach draußen. Der Welpe wird mit der Zeit an Sicherheit gewinnen, mehr Vertrauen entwickeln und wissen, was Sie von ihm erwarten. 

Funktioniert die Stubenreinheit, können die Zeitabstände der Spaziergänge langsam erhöht werden.


Alleine bleiben

Die zweite größere Herausforderung für Welpe und Besitzer ist das Alleinbleiben des Welpen. Denn Hunde sind Rudeltiere und es ist für ein Hund überhaupt nicht Hundetypisch alleine bleiben zu müssen, und besonders nicht über mehrere Stunden.

Leider lassen sich Situationen, in denen der Hund allein bleiben muss, im Alltag kaum vermeiden. Daher sollte der Welpe bereits nach ein paar Tagen der Eingewöhnung die Abwesenheit seines Besitzers akzeptieren lernen. Je länger man mit der Gewöhnung wartet, desto schwieriger wird es.

Durch den Lernvorgang der Gewöhnung an einen unangenehmen Zustand - hier das Alleinbleiben - ist es dem Welpen schließlich möglich, ohne Angst und stressfrei einige Zeit allein zu bleiben. Die Verhaltensforschung nennt diese Gewöhnung "Habituation".

Ein Tipp von mir: Ich kenne das, wenn man seine Hunde überall hin mitnimmt und sie "gar nicht" alleine lassen muss. Das ist gut und natürlich auch schön, wenn man das so mit einplanen kann. Allerdings empfehle ich trotzdem dem Hund das Alleine bleiben beizubringen. Denn so wie bei mir, kann es irgendwann vielleicht doch mal vorkommen, wo der Hund mal alleine sein muss. Wenn das dann passiert, hat man ein großes Problem, weil der Hund nicht alleine bleiben kann (Alles zerstört und kaputt macht, dauerbellt, Türen zerkratzt, usw.)


Beißhemmung

Ein weiteres Problem, auf das mich viele Hundebesitzer schon angesprochen haben, ist der Gebrauch der kleinen spitzen Milchzähnchen, die des Öfteren in der Hand, im Arm oder in diversen Kleidungstücken landen. Das kann oft recht schmerzhaft sein.

Wir Menschen sind geneigt, diese Beißereien als harmloses Spielen und Toben abzutun, lästig, aber na ja ... :-)
Dieses Verhalten ist jedoch Teil der Sozialisation des Hundes: Der Welpe erkundet und testet seine Umwelt und dazu zählen auch Handlungen aus dem Jagd- und Beutefangverhalten. Neben dem Spaßfaktor stehen hier vor allem der Aufbau der sozialen Fähigkeiten und der körperlichen Fitness im Vordergrund. Bei wilden Raufereien mit Geschwistern oder in der Welpenspielgruppe geht es häufig sehr grob zu. Ab und an hört man ein Quietschen oder lautes Fiepen, weil der Spielkamerad seine Zähne etwas zu fest in die Ohren gebohrt hat. Das "Opfer" beendet dann meist das Spiel oder schnappt zurück. Die Welpen lernen dadurch, gemäßigt zuzubeißen und eine Hemmschwelle zu entwickeln, eine sogenannte Beißhemmung. Schließlich wollen sie das Toben und Raufen mit ihren Freunden gerne fortsetzen.

Ein Tipp von mir: Sie können sich diesen Ablauf zunutze machen: Zwickt der Welpe im Spiel zu stark, kann man einen Schmerzlaut ausstoßen. Ignoriert der Welpe dies oder wird sogar noch heftiger, sollte das Spiel unterbrochen werden. Dann wenden Sie sich einfach einer anderen Tätigkeit zu und ignorieren Sie die Versuche (hochspringen oder knurren) Ihres Welpen. Dies tut der Welpe um wieder Beachtung zu erhalten. Wird der Welpe dann zu heftig, weisen Sie ihn mit scharfer Stimme zurecht.


Treppensteigen lernen

Bei bestimmten Rassen erhalten die meisten Welpenbesitzer vom Züchter häufig den Rat, den Hund im 1. Lebensjahr bei Treppenstufen zu tragen, da sonst Gelenke und Wirbelsäule ernsthaft geschädigt werden könnten. Große, schwere Rassen wie Deutsche Doggen und Hunde mit lang gezüchtetem Rücken wie Dackel, Basset etc. sind davon besonders betroffen. 

Wer jedoch dauernd seine junge Dogge von ca. 40 Kilogramm trägt, wird bald selbst an Rückenbeschwerden leiden. :-) Natürlich ist es für junge Hunde im Wachstum ungünstig, jeden Tag zu viele Treppen zu laufen. Trotzdem ist es für Welpen und junge Hunde von Nutzen, schon früh das 1x1 des Treppensteigens zu erlernen, damit sie es später als ausgewachsene Hunde beherrschen, wenn man sie nicht mehr tragen kann oder will.

Das Kennenlernen unterschiedlicher Untergründe (glatte, offene, geschlossene Treppen) ist ebenso von Vorteil.

Ein Tipp von mir: 3-5 Treppenstufen sind für einen Welpen völlig in Ordnung. Die restlichen Stufen sollte der Welpe getragen werden. Beim Treppensteigen wird der junge Hund mit Stimme und falls nötig mit Leckerchen motiviert, sodass er Stufe für Stufe mit menschlicher Unterstützung bewältigen kann.

Wussten Sie schon?
Beim Treppen hochlaufen werden die Gelenke nicht so gestaucht, wie beim Treppen runterlaufen.



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Liebe Grüße
Hundetrainerin & Tierpsychologin Vanessa Pückler