Warum Tiere lernen!

13.06.2021

Tierarten haben sich innerhalb von Jahrtausenden optimal an die allgemeinen, stabil gebliebenen Lebensbedingungen angepasst. Da gibt es ein sogenanntes angeborenes Verhalten bei Tieren und auch bei uns. Angeborenes Verhalten ist überlebenswichtig: Dazu gehören Fähigkeiten wie z.B. der Atemreflex, das Fliegen bei Vögeln oder der automatisch ablaufende Beuteerwerb.  

Für plötzliche Veränderungen in den Lebensbedingungen hingegen liegt keine angeborene Anpassung vor. Denken Sie beispielsweise an eine Tierart, die auf eine Nahrungsquelle spezialisiert ist und diese automatisch erkennt und auswählt. Solange diese Nahrungsquelle vorhanden ist, ist das Überleben dieses Tieres sichergestellt. Was jedoch, wenn die Nahrungsquelle geringer wird und schließlich völlig verschwindet? Die auf diese Nahrung spezialisierten Tiere wären zum Aussterben verurteilt. Nicht jedoch, wenn sie situationsbedingt "lernen", alternative Nahrungsquellen zu erschließen. 

Zur Sicherung des Überlebens ist es vorteilhaft, sich auf neue Bedingungen möglichst rasch einstellen zu können. Eine solche Flexibilität (Beweglichkeit), sich kurzfristig veränderten Umweltbedingungen anzupassen, kann nur durch kurzfristig erworbene Verhaltensweisen gelingen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Neugier, die von Natur aus gegeben ist.

Hunde weisen aufgrund ihres hohen Maßes an Neugier eine große Flexibilität in ihrem Verhalten auf. Ihre hohe Lernfähigkeit machte sie zu idealen anpassungsfähigen Gefährten für den Menschen!

Das Erlernen eines bestimmten Verhaltens geschieht durch selbst gemachte (individuelle) Erfahrungen und wird im Gegensatz zu angeborenem Verhalten nicht an die Nachkommen weitervererbt. Diese müssen das entsprechende situationsgerechte Verhalten erst durch eigene Erfahrungen erwerben. Bei einem Jagdhund ist das Jagen angeboren, aber nicht das Öffnen einer Tür. Ein Hund kann jedoch lernen, eine Tür durch Herunterdrücken der Klinke zu öffnen. Ein Wohnungshund passt sich damit den gegebenen Bedingungen an.

Ein Hund, der in der Lage ist, eine Tür durch Bestätigung der Türklinke zu öffnen, vererbt dieses Können nicht an seine Nachkommen. Die Nachkommen können aber das gleiche Verhalten durch eigene Erfahrungen bzw. durch Nachahmung "lernen".